Songanalyse: „Korrektur der Zeit“ von Gil Ofarim

Gil Ofarim hat „Korrektur der Zeit“ veröffentlicht. Wovon handelt der Song? „Die Last, die ich trage – so schwer“. Das hat auch was von Selbstmitleid.

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Am heutigen Freitag (28. März 2025)  hat Gil Ofarim seinen Song „Korrektur der Zeit“ veröffentlicht. Es ist sein Comeback-Versuch nach der „Davidstern-Affäre“, von der er heute sagt, sie hatte den Beginn der „schlimmsten Zeit meines Lebens“ markiert.

Das auf YouTube hochgeladene Video hat 40 Minuten nach seiner Premiere rund 540 Aufrufe. Nichts Gigantisches, aber auch kein Flop. In dem Clip wandert Gil Ofarim an einem windigen Strand entlang und singt. Er lässt Sand in seinen Händen zerrinnen. Die Kommentarfunktion für den Clip hat Ofarim deaktiviert. Vielleicht auch, weil er in seinen sozialen Medien regelmäßig Shitstorms kassiert. Viele Menschen verzeihen ihm nicht, dass er einen anderen Menschen des Antisemitismus bezichtigt hatte. Und dafür eine deftige Niederlage vor Gericht kassierte.

„Korrektur der Zeit“ von Gil Ofarim

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Songtext: Korrektur der Zeit

Die Zeit rennt
Davon wie Wellen und Wind
Und jeder Moment verfliegt
Wie Sandkörner – blind.

Wir jagen die Zeiger
Verlieren uns dann.
Doch wer korrigiert,
Was ich nicht ändern kann?

Sekunden verrennen,
Minuten vergehen –
Was bleibt zurück,
Wenn wir nur weitergehen?

Stunden performen
Die Gegenwart still,
Manchmal einfach zu viel.

Eine Korrektur der Zeit –
Was bleibt bestehen?
Kannst du in die Zukunft
Oder nur zurückgehen?

Vergangenes ändern,
Die Fehler verzeihen –
Doch die Zeit bleibt ein Rätsel
Im heiligen Schein.

Im heiligen Schein,
Im heiligen Schein.

Was, wenn die Zeit
Mein Spiegelbild wär?
Zeigt sie mir die Last,
Die ich trage – so schwer.

Sekunden verrennen,
Minuten vergehen –
Was bleibt zurück,
Wenn wir nur weitergehen?

Stunden performen
Die Gegenwart – stehen.
Manchmal hält sie auf,
Viel.

Eine Korrektur der Zeit –
Was bleibt bestehen?
Kannst du in die Zukunft
Oder nur zurücksehen?

Vergangenes ändern,
Die Fehler verzeihn –
Doch die Zeit bleibt ein Rätsel
Im heiligen Schein.

Im heiligen Schein,
Im heiligen Schein,
Im heiligen Schein,
Heiligen Schein.

Dir den Heiligenschein.

Die Zeit bleibt ein Fluss –
Wo treib ich hin?

Eine Korrektur der Zeit,
Neubeginn.

Wovon handelt „Korrektur der Zeit“?

Man darf „Korrektur der Zeit“ wörtlich verstehen. Gil Ofarim würde die Zeit am liebsten zurückdrehen. Der poetische Versuch, Dinge rückgängig zu machen oder zu verändern – die Unmöglichkeit, das wirklich zu tun. Vergänglichkeit, Selbstreflexion, Fehler, Vergebung. Große Themen.

„Wir jagen die Zeiger“ meint wohl, dass Menschen durchs Leben hetzen, immer den Uhrzeigern, also der Zeit, hinterher. „Stunden performen die Gegenwart“. Die Gegenwart wird fast wie ein Theaterstück inszeniert – das suggeriert ein Gefühl von Unwirklichkeit oder Überforderung.

Gegen Ende geht es um die „Last“ und darum, „Fehler zu verzeihen“. Im eher abstrakten Text noch der konkreteste Hinweis darauf, dass Gil Ofarim einräumt, etwas falsch gemacht zu haben. „Die Last, die ich trage – so schwer“. Das aber hat auch was von Selbstmitleid.

Er singt auch vom „heiligen Schein“. Die spirituelle Ebene. Das Nachdenken über Zeit als etwas Größeres, fast Göttliches – eine Kraft, die über uns steht.