Wishbone Ash
„Live At The BBC“
Madfish/Edel (VÖ: 28.3.)
Eine Fülle an Live-Sessions und Studioaufnahmen.

Eine professionelle Rhythmusgruppe sucht einen „positiv denkenden, kreativen und anpassungsfähigen“ Leadgitarristen. Ted Turner und Andy Powell kommen in die engere Wahl. Weil man sich nicht entscheiden kann, nimmt man beide. Sie harmonieren blind und erweitern die Spielweise der elektrischen Gitarre um intrikate zweistimmige Solo-Passagen. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten. Eine Tour im Vorprogramm von Deep Purple macht Wishbone Ash der Szene bekannt, und bei einem spontanen Soundcheck-Jam zeigt sich Ritchie Blackmore so beeindruckt, dass er sie an Decca weiterempfehlt.
Ihr zwischen Blues, Folk, Jazz und Rock vermittelndes Debüt erreicht Platz 29 der UK-Charts. Der Nachfolger, „Pilgrimage“, verkauft sich noch besser, und bei Erscheinen ihres Bestsellers „Argus“ 1972 sind Turner/Powell für den „Melody Maker“ bereits „das interessanteste Doppel-Gitarren-Team seit den Tagen, als Beck und Page die Yardbirds schmückten“. Die BBC bekommt früh Wind von ihren Qualitäten. Der junge DJ Bob Harris sieht Wishbone Ash im Sommer 1970 im Londoner Marquee und spielt sie gleich in seinem ersten Radio-1-Programm.
Bald darauf treten sie im „Old Grey Whistle Test“ auf, und dann bucht sie auch schon John Peel für eins seiner „Sunday Concerts“. Da ist das Debüt noch gar nicht erschienen. In ihrer erfolgreichsten Zeit mit der Ur-Formation (bis 1974) nahm die BBC allein acht Studiosessions und drei Konzertsets auf, von 1976 bis 1988 sind es weitere sieben Konzerte und eine Studioaufnahme. All das findet man hier auf elf CDs und einer DVD versammelt, begleitet von einer opulent bebilderten, die Bandgeschichte und Aufnahmekontexte nachzeichnenden Buchdokumentation.
Diese Review erschien im Rolling Stone Magazin 4/25.