Will Smith: „Based On A True Story“ – Das große Wundenlecken

Der Oscar-Preisträger kehrt zurück als Rapper und lässt gehörig Dampf ab. Ein Ausflug zu Old School Beats mit R'n'B-Schlenkern

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Es ist wahrscheinlich nicht der schlechteste Schachzug von Oscar-Preisträger Will Smith seine vormalige Profession als Rapper wieder aufzunehmen.

Nach dem „Slap“-Eklat von 2022, als er bei der Award-Verleihung Moderator Chris Rock eine gehörige Ohrlasche verpasste und dafür eine zehnjährige Academy-Sperre kassierte, stand seine weitere Karriere erstmal auf dem Prüfstand. Immerhin hatte er für die Tennis-Saga „King Richard“ gerade noch eine goldene Trophäe als „Bester Hauptdarsteller“ abgeholt.

Rap als Reha-Klinik von Hollywood

Was tun also? Will Smith wechselte erstmals seit 2005 wieder im großen Stil zur Musik. Quasi als unbelastetes Nebengleis, das er zusammen mit DJ Jazzy Jeff bereits Ende der 1980er mit Locker-vom-Hocker-Gags und dem Erfolgsalbum „He’s The DJ, I am The Rapper“ befahren hatte. Rap als Reha-Klinik von Hollywood.

Wo die jüngeren Gangster-Kollegen ihre „true story“ in knallharten Hochhausblocks mit Gang-Gewalt verorten, verarbeitet der rappende Multimillionär im „Based On A True Story“-Auftaktsong „Int. Barbershop – Day“ seinen 2022er-Knuff. Begleitet vom alten Kumpel Jazzy Jeff sowie Rapperin/Schauspielerin B. Simone gibt es Satzschnipsel wie „Will Smith is canceled“ und Zeilen wie „Who the fuck Will Smith think he is?“ oder „I ain’t never gone forgive him for that stuff he did“.

Sarkasmus über die Promi-Welt. Wundenlecken bei sich selbst. „Ich habe gehört, dass es ihm schlecht geht; Ich habe gehört, dass er den Oscar gewonnen hat, ihn aber zurückgeben musste“ heißt es (grob übersetzt) ins Smiths Reimen. „Und du weißt, dass sie ihn nur dazu gezwungen haben, weil er schwarz ist.“ Kleiner Irrtum, haha, die Academy hatte ihn halt „nur“ für zehn Jahre von der Zeremonie verwiesen.

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Ohne weiteren Seitenhiebe auf die böse Filmwelt

Nachdem das auf musikalischem Wege erst einmal geklärt ist, macht Smith sich in 13 weiteren Tracks eher locker. Na gut, „Bulletpoof“, zusammen mit Sparrings-Partner Jac Ros ist eine hopsende Hymne nach dem Motto „Ihr könnt mir gar nichts“. Kugelsicher halt, der Mann. Doch ohne weiteren Seitenhiebe auf die böse Filmwelt.

Wenig verwunderlich sucht Old Schooler Smith seine Wiedergeburt in R’n’B-orientierten Sounds. Was soll er sich auch mit den jungen Hüpfern um den Trap-Thron balgen. In „Hard Times (Smile)“ oder „Beautiful Scars“ liefert er solide Raps zu soliden Sounds ab. „Rave In The Wasteland” bringt wiederum elektronische Partytöne ins Spiel.

Smith hatte auch nach seiner frühen Kombikarriere als rappender Spaßvogel und TV-Serien-Prinz von Bel Air immer wieder veritable Hits wie etwa „Miami“ von 1997. Er versteht sein Handwerk, was „Based On A True Story“ durchaus beweist. Nur ist es eben (neben der „Oscar“-Mütchen-Kühlerei. ..) ein Spätwerk der Achtziger/Neunziger-Generation, die nach wie vor viele Fans hat. Dass er es damit ernst meint, zeigt die annoncierte Arena- und Festival-Tour. Mitte Juli ist er für vier Termine auch in Deutschland.