Maya Delilah
„The Long Way Round“
Blue Note/UMG (VÖ: 28.3.)
Überraschend abgeklärte Songs zwischen den Stilen.

Wie wird ein Lied mit sechs anderen Menschen geschrieben? Oder ist die Inflation in der Klammer dahinter heute nur Ausdruck einer, sagen wir, achtsameren Credits-Politik? Anders gefragt: Wie viele hätte Mick Taylor in seinen fünf Stones-Jahren verdient gehabt? Der Song, den Maya Delilah mit dem halben Dutzend vollendet hat, heißt jedenfalls „Squeeze“, ein saftiges Stück Gebrauchs-Funk. Den kann sie also auch noch. Dazu Akustik-Liebesbriefe („My Balloon“), Latin Soul („Actress“), schwärmerische Bettkanten-Promises im Duett mit sich selbst („I’ll Be There In The Morning“), eleganter Adult-Pop („Look At The State Of Me Now“).
Fluch und Segen der vielseitig Begabten
Überhaupt ist hier vieles sehr erwachsen und abgeklärt, zumal für eine 24-Jährige. Auch wenn die Stilfülle dieses Debüts anderes vermuten lässt: Anders als andere Absolventinnen der BRIT School (Adele, Amy etc.) pflegt Delilah durchaus die Tugend der Zurückhaltung. Auch aus Einsicht. Denn ihre gern kopfüber kippende Stimme ist nie ein mächtiges Instrument der Überwältigung. Eher ein Medium, das beiläufig um den Finger wickeln will (was oft genug gelingt) und mit viel Effekt in die richtigen Räume dafür gestellt wird.
Dass sie auf Blue Note veröffentlicht, hat dennoch seine Berechtigung. Auch wenn das hier, nein, nie „cuttingedge“ ist, sondern eher die Smart-Casual-Variante, passend zu den schönen, burgunderroten Tassle-Loafern der PR-Fotos. Was vergessen? Ach ja, Gitarre spielt sie auch noch. Und zwar sehr gut. Was sie öfter durchklingen lassen darf – mit warmem, klarem Ton und melodischer Finesse, auch im Zwiegespräch mit Organist Cory Henry im Instrumental „Jeffrey“. The long way round. Oder: Fluch und Segen der vielseitig Begabten.
Diese Review erschien im Rolling Stone Magazin 4/25.