Nahtoderfahrung von Dave Gahan: Ein Wendepunkt im Leben des Depeche-Mode-Sängers
Wie Dave Gahan nach seiner Nahtoderfahrung eine neue Bestimmung fand. Für Depeche Mode, aber vor allem für sich.
Die Nahtoderfahrung von Dave Gahan: Ein Wendepunkt im Leben des Depeche Mode-Sängers

Dave Gahan hat in den 1990er-Jahren persönliche Abgründe durchlebt – inklusive einer Nahtoderfahrung. Diese prägende Episode in seinem Leben ist nicht nur ein dramatisches Kapitel seiner Biografie, sondern auch ein Wendepunkt für ohn und Depeche Mode. Ein Wendepunkt der seine Musik, seine Spiritualität und seine Lebenseinstellung für immer veränderte.
Der Absturz: Drogen, Depressionen und Exzesse
In den 1990er-Jahren befand sich Dave Gahan in einer tiefen persönlichen Krise. Trotz des weltweiten Erfolgs von Depeche Mode mit Alben wie „Violator“ (1990) und „Songs of Faith and Devotion“ (1993) war Gahan innerlich zerrissen. Der zunehmende Druck des Ruhms, kreative Spannungen innerhalb der Band und eine schwere Heroinsucht trieben ihn an den Rand des Abgrunds.
Gahan zog nach Los Angeles. Ein symbolischer wie realer Schritt in die Isolation. Ein Ort, der schon seinem Idol David Bowie nicht gut bekam; das „Station to Station“-Album entstand dort, 196. In Los Angeles lebte Dave Gahan in einem Zustand permanenter Selbstzerstörung. Gefangen in einem Teufelskreis aus Drogen, Alkohol und Verzweiflung. Seine Gesundheit verschlechterte sich rapide. Er wurde mehrfach verhaftet und in Krankenhäuser eingeliefert, doch nichts konnte ihn stoppen. Bis zum 28. Mai 1996.
Der Zusammenbruch: Drei Minuten klinisch tot
Am besagten Abend erlitt Dave Gahan im Sunset Marquis Hotel in West Hollywood einen Herzstillstand infolge eines Speedball-Cocktails (eine Mischung aus Heroin und Kokain). Als die Sanitäter eintrafen, war Gahan klinisch tot. Sein Herz hatte aufgehört zu schlagen. Drei Minuten lang war er technisch gesehen nicht mehr am Leben.
Was ihn zurückholte, war ein gezielter Defibrillatorschock. Die Ärzte konnten ihn wiederbeleben. Doch während dieser drei Minuten erlebte Gahan etwas, das er später als „Nahtoderfahrung“ bezeichnete. Ein Ereignis, das sein Leben tiefgreifend beeinflussen sollte.
Die Nahtoderfahrung: „Ich habe mich selbst gesehen“
In Interviews beschrieb Dave Gahan seine Nahtoderfahrung auf unterschiedliche Weise. Geradezu widersprüchlich. Im Interview mit dem „Musikexpress“ sagte er, seine Nahtoderfahrung habe sich angefühlt, als habe er an einer Klippe gestanden, nichts als Wind um ihn herum. Ein anderes Mal sagte er: „Da war nichts im Tod. Nur Schwärze“.
Ein anderes Mal sprach er davon, sich „aus dem eigenen Körper gelöst“ zu haben. Er sah sich selbst auf dem Krankenhausbett liegen, während Ärzte um ihn herum arbeiteten. Es war, als würde er schweben. Losgelöst von Schmerz, Angst und Zeit.
Gahan erklärte dann, dass er ein „Gefühl tiefen Friedens“ verspürte. Er fühlte sich „vollkommen angenommen“, frei von Schuld und Scham – Gefühle, die ihn im Leben so sehr geplagt hatten. Diese Erfahrung war für ihn nicht nur ein medizinisches Wunder, sondern ein spirituelles Erwachen. „Ich habe erkannt, dass ich eine Wahl hatte“, sagte er später. „Entweder ich kehre zurück und ändere mein Leben – oder ich lasse los.“
Der Neuanfang: Vom Tod zurück ins Leben
Nach seinem Erwachen begann für Gahan ein langwieriger Heilungsprozess. Körperlich, seelisch. Er durchlief eine Entzugsbehandlung und setzte sich mit sich selbst auseinander. Die Erfahrung des Todes veränderte seine Perspektive. Er begann, das Leben wieder wertzuschätzen.
Alben wie „Ultra“ (1997) und „Exciter“ (2001) spiegeln nicht nur seine Genesung, sondern auch eine Auseinandersetzung mit Existenz, Schuld und Erlösung wider.
Spirituelle Entwicklung: Zwischen Licht und Dunkel
Die Nahtoderfahrung führte bei Dave Gahan auch zu einer intensiveren spirituellen Suche. Obwohl er sich nie klar zu einer bestimmten Religion bekannte, sprach er oft über eine „höhere Macht“ und darüber, dass er „geführt“ worden sei. In Songs wie „Cover Me“ lassen sich spirituelle Themen, Zweifel und Erlösung als wiederkehrende Motive erkennen.
Gahan bezeichnete seine Nahtoderfahrung nicht als Ende, sondern als Neubeginn. Als Einladung, das eigene Leben bewusster, achtsamer und authentischer zu gestalten. Seine spätere Solokarriere, etwa mit Soulsavers, zeigt deutlich eine Hinwendung zu existenziellen Fragen, innerem Frieden und der Suche nach Wahrheit.