Iggy Pops wehmütiger Abschied von Berlin: 12 Beobachtungen
Aus dem ROLLING-STONE-Archiv: Iggys Abschiedsgig in Berlin 2016. Die „Post Pop Depression“-Tour führte ihn am 7. Mai nach Berlin. Mit dabei: seine fünfköpfige Band bestehend aus Josh Homme, Matt Helders, Dean Fertita, Troy van Leuwwen und Matt Sweeney.
ROLLING-STONE-Fundstück: 8. Mai 2016
Tour-Unterstützung
Gitarrist Troy van Leuwwen (Queens of the Stone Age, A Perfect Circle) und Bassist Matt Sweeney (Chavez, Bonnie ‚Prince‘ Billy) begleiten die vierköpfige Band auf Tour. Zu sechst prescht die in Sakkos gekleidete Gruppe auf die Bühne, um mit „Lust For Life“ direkt einen Turbo zu zünden.
Kämpfen, kämpfen, kämpfen
Iggy Pop mimt auf der minimalistisch gestalteten Bühne den Schattenboxer. Die erste Ansage vor dem dritten Song des Sets: „Mein ganzes Leben musste ich kämpfen. Kämpfen, um jemand zu sein. Kämpfen, um glücklich zu sein. Kämpfen, um zu kämpfen. Das ist „American Valhalla!“
Stagedives
Plötzlich verschluckt ihn das Publikum – so schnell, dass man kaum erfassen kann, ob der Sänger gerade vom Bühnenrand gefallen ist oder sich absichtlich in den Zuschauerrand hat fallen lassen. Schrecksekunde. Auch noch beim zweiten Mal am anderen Ende der Stage.
Gleichberechtigung
Ein ausgeklügeltes Licht-Design von Dan Hadley sorgt dafür, dass die gesamte Supergroup, inklusive Arctic-Monkeys-Drummer Matt Helders im hinteren Teil der Bühne im Mittelpunkt stehen.
Keine Josh-Homme-Show
Was man nicht vermutet hätte: Josh Homme kann auch als erste Gitarre mal die zweite Geige spielen. Kein Wort zu Iggy oder ans Publikum, dafür groovt der Queens-of-the-Stone-Age-Frontmann selig in glänzend geputzten Schuhen von einem Bein aufs andere.
Bad in der Menge
Auch weiter hinten stehende Zuschauer bekommen Iggy ganz nah zu Gesicht. Während die Band ungerührt weiterspielt, pflügt sich der 1,71 Meter große Künstler einmal komplett durch die Halle, lässt sich drücken und für Selfies benutzen.
Alte Songs überwiegen
Die Stooges werden ausgeklammert, wenige neue Songs wechseln sich mit Hits der in Berlin aufgenommenen Alben „Lust For Life“ und „The Idiot“ ab. Vorhersehbarer Muntermacher: „The Passenger“:
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Stiller Bowie-Tribut
„Ich kann ein bisschen deutsch sprechen, ich war gewohnt hier“, fügt Pop schmunzelnd hinzu. Es folgt „China Girl“ – ohne weitere Worte ist klar, an wen Iggy gerade ein paar Grüße schickt.
Zugabe
Noch einmal trommelt sich der Mini-Gorilla auf die Brust, noch einmal Schattenboxen und simuliertes Gas aufdrehen. Wenige Minuten später kehrt die Band für den neuen Song „Break Into Your Heart“ zurück. Und bleibt für sechs weitere.
Baby
Für diesen Song steuerte einst William Burroughs ein paar Worte bei. „Er war nicht glücklich, ein Junkie zu sein“, er lehrte Pop aber auch ein paar wichtige Lektionen fürs Leben. Zum Beispiel, dass es okay ist, sich Ärger einzuhandeln. Solange man ihn aushalten kann, bis sich die Leute daran gewöhnt haben.
Ode an die Jugend
Nach einem knapp zweistündigen Set noch der kurze Hinweis: Matt Helders, Jungspund der Gruppe, feiert heute seinen 30. Geburtstag. Das Tempodrom singt, angeleitet von Iggy, natürlich „Happy Birthday“. Es lässt sich durchaus schlechter feiern.
Abschied von Berlin
„Post Pop Depression“ soll sein letztes Album gewesen sein. Und dies auch seine letzte Tour. Iggy Pop ist 69, tanzt in orthopädischen Schuhen und setzt sich während langer Gitarren-Parts, um auszuruhen. Zum großen Finale eines ekstatischen Abends wird es noch richtig traurig: „This smells like success. Thank you for everything. This is fucking it.“ Iggy Pop verabschiedet sich wohl ein letztes Mal von seinem Berliner Publikum. Langes Winken, Abklatschen in den ersten Reihen. Das „Wild Child“ in ihm würde, wenn es nur könnte, wohl ewig so weitermachen.Iggy Pop live in Berlin – Die komplette Setlist
Lust for Life
Sister Midnight
American Valhalla
Sixteen
In the Lobby
Some Weird Sin
Funtime
Tonight
Sunday
German Days
Mass Production
Nightclubbing
Gardenia
The Passenger
China Girl
Zugabe
Break Into Your Heart
Fall in Love With Me
Repo Man
Baby
Chocolate Drops
Paraguay
Success