Epstein und Prinz Andrew: Anklägerin sagt, sie liege nach Autounfall im Sterben

Virginia Giuffre behauptete, von Prinz Andrew vergewaltigt worden zu sei. Sie schrieb nun dass sie an Nierenversagen leide.

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Virginia Giuffre ist die Frau, die sich für die Opfer des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein einsetzt. Sie beschuldigt ihn, sie misshandelt zu haben. Nun schrieb Virginia Giuffre am Sonntag in einem Instagram-Post, dass sie nach einem Verkehrsunfall ins Krankenhaus eingeliefert worden sei. Und sich in einem kritischen Zustand befinde.

„Dieses Jahr war der schlimmste Start in ein neues Jahr. Aber ich will niemanden mit den Details langweilen. Ich denke nur, es ist wichtig zu erwähnen, dass, wenn ein Schulbusfahrer mit 110 km/h auf dich zukommt, während wir für eine Kurve abbremsen, dass es egal ist, aus welchem Material dein Auto besteht, es könnte genauso gut eine Blechdose sein“, schrieb Giuffre in einer Bildunterschrift zu einem Foto, das sie in einem Krankenhausbett mit stark gequetschtem Gesicht zeigte.

„Ich habe ein Nierenversagen erlitten. Sie haben mir noch vier Tage zu leben gegeben und mich in ein Fachkrankenhaus für Urologie verlegt.“ Giuffre, die in Australien lebt, wo sie die Staatsbürgerschaft besitzt, fügte hinzu, dass sie „bereit war zu gehen“. Außer dass sie ihre drei Kinder noch ein letztes Mal sehen wollte. „Ich danke euch allen, dass ihr wunderbare Menschen auf der Welt seid. Und ein großer Teil meines Lebens“, sagte sie ihren Anhängern.

Virginia Giuffre auf Instagram:

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Giuffres Vertreter teilte den Medien mit, dass sie ‚einen schweren Unfall hatte und im Krankenhaus medizinisch versorgt wird‘, und fügte hinzu, dass sie „die Unterstützung und die guten Wünsche der Menschen sehr schätzt‘. Als er von Rolling Stone erreicht wurde, lehnte der Vertreter einen weiteren Kommentar ab.

Die 41-jährige Giuffre, geborene Virginia Roberts, behauptet, sie sei im Jahr 2000 im Alter von 16 Jahren von Ghislaine Maxwell, der inzwischen verurteilten Komplizin von Epstein, in dessen Umfeld gebracht worden. Dort habe das Paar sie dazu gebracht, für Epstein sexuelle Dienste zu leisten. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits das Trauma eines sexuellen Übergriffs erlebt,. Sie war als Kind von zu Hause weggelaufen. Und wurde vom Sexhändler Ron Eppinger missbraucht, der sich 2001 schuldig bekannte, Frauen aus Europa zur Prostitution eingeschleust zu haben.

Giuffre gab an, zweieinhalb Jahre lang Epstein und seinen Geschäftspartnern Massagen und sexuelle Dienstleistungen angeboten zu haben. Wobei sie zwischen seinen Anwesen in Florida, New York, New Mexico und seiner Privatinsel in der Karibik, Little Saint James, hin- und herreiste. Sie sagte, sie sei dieser Welt erst entkommen, als sie ihren zukünftigen Ehemann, den Kampfsporttrainer Robert Giuffre, auf einer Reise nach Thailand kennenlernte. Dort sollte sie eine Massageausbildung absolvieren. Und sollte, wie sie behauptet, ein thailändisches Mädchen für Maxwell und Epstein anschafften. Stattdessen gründete sie mit Giuffre eine Familie in Australien.

Giuffre zögerte zunächst, mit dem FBI zu sprechen

In den folgenden Jahren wurde Giuffre von US-Behörden kontaktiert, die gegen Epstein ermittelten. 2007 rief das FBI an, um ihr mitzuteilen, dass sie im ersten Strafverfahren gegen den wohlhabenden und gut vernetzten Finanzier als eines seiner Opfer identifiziert worden war. Etwa zur gleichen Zeit riefen Epstein und Maxwell sie beide an, um sie zu fragen, ob sie mit den Strafverfolgungsbehörden spreche, wie sie The Miami Herald mitteilte.

Giuffre zögerte zunächst, mit dem FBI zu sprechen. Sie wurde dann aber zur prominentesten Whistleblowerin in der Epstein-Saga. Sie reichte erfolgreiche Klagen gegen ihn und Maxwell ein. Und schilderte Reportern ihre Erfahrungen. Sie behauptete in eidesstattlichen Aussagen, dass sie an berühmte und mächtige Männer wie den ehemaligen Mehrheitsführer im Senat, George Mitchell, und Prinz Andrew vermittelt worden sei. (Beide haben diese Vorwürfe bestritten.) Im Jahr 2022 wurde bekannt, dass sie von Epstein 500.000 US-Dollar im Rahmen der Vergleichsvereinbarung erhalten hatte, die ihre Klage gegen ihn aus dem Jahr 2009 beendete. Die Klage gegen Maxwell wurde gegen eine nicht genannte Summe beigelegt.

Vorwürfe gegen Prinz Andrew

2015 gründete Giuffre die Organisation „Victims Refuse Silence“, die inzwischen in „Speak Out, Act, Reclaim (SOAR)“ umbenannt wurde. Eine gemeinnützige Interessenvertretung für Überlebende des sexuellen Menschenhandels. Nach Epsteins Tod 2019 in einer Gefängniszelle in Manhattan, während er auf seinen Prozess wegen des Handels mit Minderjährigen auf Bundesebene wartete, gab sie der BBC ein Interview, in dem sie behauptete, sie sei an Prinz Andrew verkauft und von ihm dreimal vergewaltigt worden. Was den Vorwürfen entsprach, die sie erstmals 2014 vor einem Gericht in Florida erhoben hatte.

Später verklagte sie den Herzog von York wegen sexueller Nötigung. Prinz Andrew schloss den Fall 2022 außergerichtlich ab, bevor er gezwungen gewesen wäre, eine eidesstattliche Aussage zu machen. Und zwar für einen Betrag, den Giuffres Anwalt David Boies als „beträchtlich“ bezeichnete. Andrew versprach außerdem eine Spende an Giuffres Wohltätigkeitsorganisation. Er gab jedoch keine ihrer Behauptungen zu. Die genauen Bedingungen der Vereinbarung sind nicht bekannt.

„Es ist eine verdammte Schande, dass sie sterben wird, ohne jemals Gerechtigkeit zu erfahren“

Beobachter in den sozialen Medien reagierten ungläubig auf die Nachricht von Giuffres Verletzungen. Sie bezeichneten den Autounfall als Tragödie. „Es ist eine verdammte Schande, dass sie sterben wird, ohne jemals Gerechtigkeit zu erfahren“, schrieb ein Nutzer auf X. „Sie hätte etwas viel Besseres verdient. Amerika hat sie im Stich gelassen.“

Andere deuteten jedoch schnell an, dass der Zusammenstoß kein Unfall war. Sondern Teil einer anhaltenden Vertuschung in einem weitreichenden Fall, der Verschwörungstheoretikern und Verbreitern von Fehlinformationen seit langem als Futter dient. Derzeit gibt es keine Hinweise auf einen vorsätzlichen Anschlag auf Giuffres Leben.

Die Öffentlichkeit verlangt weiterhin nach Antworten über Epsteins Sexhandelsring, von dem Giuffres Berichte vielleicht die detailliertesten und erschreckendsten sind, die es gibt. Im Februar versuchte die US-Generalstaatsanwältin Pam Bondi, die Transparenz der Regierung unter Trump zu demonstrieren. Sie verteilte Ordner mit angeblich aufschlussreichen Epstein-Dokumenten an eine Gruppe von MAGA-Influencern. Der Stunt ging nach hinten los, als sich herausstellte, dass in dieser Sammlung mit dem Titel „The Epstein Files: Phase One“ nichts Neues enthüllt wurde. Bondi hat in dem Monat seither keine „Phase Zwei“ erwähnt.